[PESI-Projekte]

 

Kommentare und Anregungen zu den Projekten

ND

 

Diese Seite liefert Ihnen Anregungen zur Projekt-Planung. Ich greife dabei Themen auf, die jeweils für mehrere Projekte relevant sind. Es kommt mir darauf an, dass Sie diese Aspekte bedenken - inwieweit sich daraus dann weitere konkrete Fragestellungen für Ihr jeweiliges Projekt ergeben, entscheiden Sie selbst.
1. Der Aspekt der sexuellen Orientierung
 

Inwiefern legen einerseits Sie als Forscher/innen und andererseits die Autor/innen sexualbezogener Internet-Angebote die Existenz einer sexuellen Orientierung zugrunde ("ich BIN heterosexuell" versus "ich BIN schwul/lesbisch). Was ist z.B. mit Bisexualitaet? Und inwiefern wird so etwas wie "sexuelle Orientierung" als einfach vorhanden oder als sozial konstruiert betrachtet. Die aktuelle Diskussion um Identitäten (sowohl sexuelle Identitäten als auch Geschlechter-Identitäten) betont unter dem Stichwort "De-Konstruktion" sehr stark den Aspekt, dass wir im Denken, Sprechen und Handeln erst erzeugen wie/was wir sind. Vor diesem Hintergrund werden dann klassische Polarisierungen wie "hetero- versus homosexuell" oder "männlich versus weiblich" problematisiert als kulturelle Tendenz zur Bildung von Gegensätzen. In der Realität vorkommende fließende Übergänge und Ähnlichkeiten würden wir mit solchen dichotomen Schemata oft überdecken.

2. Was ist mit geschlechtsspezifischen Unterschieden?
 

Feminismen:
Bei der Betrachtung geschlechtsspezifischer Unterschiede legt der aktuelle Stand der (v.a. feministisch geprägten) Gender-Diskussion einen Spagat nahe: Einerseits ist weiterhin im Auge zu behalten, dass in generellen Aussagen (z.B. über Sexualität) oft die Perspektiven von Mädchen und Frauen zu kurz kommen (-> Frage nach der "weiblichen" Sichtweise). Andererseits wird mit der Frage nach dem "spezifisch Weiblichen" dessen Existenz vielleicht in vielen Fällen erst erzeugt, indem Frauen von vornherein als "die Anderen" adressiert werden (obwohl es gewaltige Unterschiede von Frau zu Frau gibt und auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Jungen/Männern und Mädchen/Frauen bestehen). In der feministischen Diskussion wird geschlechtsbezogene Machtausübung mittlerweile nicht nur als Phänomen zwischen den Geschlechtern betrachtet, sondern auch als Phänomen innerhalb der Gruppe der Frauen, etwa wenn einige Frauen (typischerweise weiße, bürgerliche Mittelstands-Frauen mit akademischem Hintergrund) mittels feministischer Theorien Definitionsmacht darüber haben, wie "die weibliche Sichtweise" oder "die weibliche Sexualität" aussieht bzw. auszusehen hat bzw. wie sie eben nicht auszusehen hat. Wie können wir die unterschiedlichen (und teilweise auch vollkommen konträren) Sichtweisen von Frauen würdigen und damit das Konstrukt "Frau" hinterfragen, ohne in politischer Hinsicht eine frauenbezogene Solidarisierung aufzugeben, wenn es darum geht, geschlechtsbezogene Benachteiligung zu bekämpfen? Das ist aktuell eine sehr wichtige (womöglich sogar die wichtigste) Frage in diversen feministischen Diskursen.

Maskulinismen:
Geschlechtsspezifische Unterschiede zu beachten heisst nicht nur, nach dem tatsächlich oder vermeintlich "Weiblichen" zu schauen, sondern auch nach dem tatsächlich oder vermeintlich "Männlichen".  Eine Kultur, in der das allgemein Menschliche meist vor dem Hintergrund der Erfahrungen von Männern definiert wird (nicht umsonst: der Mensch, mankind, history etc.), gibt es wenig Anlaß, die Besonderheiten des Männlichen oder des Mannseins zu betrachten. Mann zu sein ist halt Normalfall. Erst seit den 80er Jahren haben sich ergänzend zu feministischen Ansätzen auch dezidiert maskulinistische Ansätze und eine Männerforschung (men studies) herausgebildet. Maskulinistische Ansätze betrachten Geschlechterfragen machtkritisch, wobei sie jedoch im Unterschied zu feministischen Ansätzen vor allem die Probleme von Jungen und Männern fokussieren. So hat sich in der Praxis ergänzend zur Mädchenarbeit ja mittlerweile auch die Jungenarbeit etabliert. Hinter dem aktuellen Differenzierungs-Niveau feministischer Ansätze hinken maskulinistische Ansätze (historisch verständlicherweise) oft noch hinterher. Hemmend für die Entwicklung theoretisch anspruchsvollerer maskulinistischer Ansätze ist vor allem das doch eher geringe Interesse akademisch arbeitender Männer am Gender-Diskurs. Deswegen: Bedenken Sie Geschlechterfragen auch mal aus der Perspektive, inwieweit spezifische Fragen oder Probleme von Jungen/Männern aufgegriffen werden, wie Junge-/Mann-Sein und -Werden dargestellt oder eben nicht dargestellt werden.

3. Was ist mit medienspezifischen Besonderheiten?
 

Inwieweit gibt es hinsichtlich Form, Inhalt, Menge usw. Unterschiede zwischen den sexualbezogenen Internet-Angeboten einerseits und den sexualbezogenen Angeboten in anderen Medien (Jugendzeitschriften, Bücher, Fernsehen, Video)?